Sommerekzem und Juckreiz: So linderst du das Scheuern von Mähne und Schweif

Sommerekzem und Juckreiz: So linderst du das Scheuern von Mähne und Schweif

Sommerekzem beim Pferd ist eine Insektenallergie gegen den Speichel von Gnitzen und Kriebelmücken, die Mähnenkamm und Schweifrübe extrem juckend macht. Eine Heilung gibt es nicht, aber mit gezieltem Insektenschutz und der richtigen Pflege lässt sich der Juckreiz deutlich lindern.

Vielleicht stehst du gerade genau vor diesem Bild: kahle Stellen im Mähnenkamm, aufgescheuerte Haut an der Schweifrübe, ein Pferd, das sich an jedem Zaunpfahl reibt, den es findet. Wenn dein Pferd an einem Fluss wie der Weser steht, hast du es meistens schwerer als Ställe weiter im Hinterland. Das merkst du spätestens, wenn die Mücken loslegen.

  • Schätzungsweise 37 Prozent der Pferde in Deutschland zeigen Symptome eines Sommerekzems.
  • Fast neun von zehn betroffenen Pferden scheuern sich vor allem an Mähnenkamm und Schweifansatz.
  • Importierte Islandpferde erkranken in etwa drei von vier Fällen schon im ersten Jahr.
  • Insektenschutz, Hautpflege und ein passender Tagesrhythmus zusammen wirken deutlich besser als jede einzelne Maßnahme für sich.

Was ist Sommerekzem eigentlich, und warum juckt es so extrem?

Sommerekzem, in der Fachsprache Insect Bite Hypersensitivity oder kurz IBH genannt, ist die häufigste allergische Hauterkrankung beim Pferd überhaupt. Auslöser ist eine Überreaktion des Immunsystems auf Eiweiße im Speichel stechender Insekten, in Deutschland vor allem Gnitzen der Gattung Culicoides und teilweise Kriebelmücken der Gattung Simulium.

Kurz erklärt: IBH steht für Insect Bite Hypersensitivity, den Fachbegriff für das, was im Stallalltag meist Sommerekzem oder englisch Sweet Itch genannt wird.

Das Immunsystem reagiert dabei gleich zweifach: Eine Sofortreaktion (Typ I) und eine verzögerte Reaktion (Typ IV) sorgen gemeinsam für die massive Ausschüttung von Histamin, die den Juckreiz auslöst. Genau deshalb reicht oft schon eine kurze Weidezeit zur Hauptflugzeit aus, um tagelanges Scheuern in Gang zu setzen.

Wie häufig Sommerekzem tatsächlich vorkommt, hängt stark vom Klima ab: Fachpublikationen nennen für Großbritannien rund 3 Prozent betroffene Pferde, für Deutschland etwa 37 Prozent und für Australien bis zu 60 Prozent. Die deutschen Zahlen stammen aus einer Zusammenfassung mehrerer, teils älterer Studien; eine aktuelle, breit angelegte deutsche Prävalenzstudie gibt es bislang nicht, weshalb die 37 Prozent eher als grobe Orientierung denn als exakter Wert zu verstehen sind.

Am häufigsten trifft es Körperstellen mit senkrecht wachsendem Haar. In einer Befragung von 404 Pferdehaltern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigten 91,3 Prozent der betroffenen Pferde Veränderungen am Mähnenkamm und 89,4 Prozent am Schweifansatz. Juckreiz gehörte für 99 Prozent der Pferde zum Alltag, bei über drei Viertel davon in ausgeprägter Form. Wallache waren in der Untersuchung sowohl am häufigsten als auch am stärksten betroffen. Zusätzlich zeigen sich Reizungen bei vielen Pferden auch an Bauchnaht, Kopf und Ohren, wenn auch deutlich seltener als am Mähnenkamm.

Woher kommt der Juckreiz wirklich? Kriebelmücken und die Nähe zur Weser

Kriebelmücken-Larven entwickeln sich ausschließlich in strömendem, sauerstoffreichem Wasser, also in Bächen und Flüssen, niemals in Gartenteichen oder Regentonnen, wie das Umweltbundesamt zur Biologie der Kriebelmücke festhält. Für Ställe an größeren Flusssystemen wie Rhein oder Weser bedeutet das ein spürbar höheres Risiko, weil sich die Insekten dort in großer Zahl entwickeln können. Das gilt auch für kleinere Nebenflüsse und Bäche, überall dort, wo Wasser ganzjährig strömt.

Wenn dein Pferd in Vlotho oder der näheren Umgebung an der Weser steht, weißt du das wahrscheinlich schon: Gerade an warmen, windstillen Morgen- und Abendstunden sind Weidepferde in Flussnähe besonders gefährdet, weil die Mücken zu genau dieser Zeit am aktivsten sind. Oft hilft es schon, den Tagesablauf umzustellen: Pferde, die in den ersten und letzten Tagesstunden im Stall oder unter einem schattigen, mückenarmen Unterstand bleiben, werden deutlich seltener gestochen als Tiere, die rund um die Uhr auf der ufernahen Weide stehen.

Wie du Fliegen, Bremsen und Kriebelmücken zusätzlich fernhältst, haben wir in unserem Ratgeber zu Fliegen, Bremsen und Kriebelmücken im Sommer ausführlicher zusammengefasst.

Welche Pferde trifft es besonders hart? Islandpferde und andere Risikokandidaten

Grundsätzlich kann jedes Pferd ein Sommerekzem entwickeln, doch Robustrassen wie Islandpferde, Friesen, Haflinger und viele Ponys sind überdurchschnittlich häufig betroffen.

Bei aus Island importierten Pferden liegt die Erkrankungsrate bei 71,9 Prozent, bei in Deutschland geborenen Islandpferden dagegen nur bei 15,6 Prozent, weil ihnen der frühe Kontakt zu Culicoides-Gnitzen und damit die Immuntoleranz fehlt. Rund drei von vier importierten Tieren zeigen die ersten Symptome bereits im ersten Jahr nach dem Import.

Auch bei anderen Risikokandidaten fällt ein ähnliches Muster auf: Auch Friesen, Norweger und importierte Criollos gelten als überdurchschnittlich anfällig, weil ihre Ursprungsgebiete ebenfalls kaum Gnitzen kennen. Bei Haflingern und Shetlandponys spielt zusätzlich die ganztägige Offenstall- und Weidehaltung eine Rolle, die in diesen Rassen verbreitet ist und für besonders viel Insektenkontakt sorgt.

Auch wenn eine gewisse Veranlagung mitspielt, entscheidet vor allem die Häufigkeit des Insektenkontakts in den ersten Lebensjahren, ob sich später eine ausgeprägte Allergie zeigt. Hältst du ein Robustpferd oder ein frisch importiertes Islandpferd, planst du den Insektenschutz am besten von Anfang an fest ein, schon vor dem ersten Weidegang der Saison.

Was tust du jetzt sofort, wenn dein Pferd sich blutig scheuert?

Bei akutem Juckreiz zählt vor allem eins: den Scheuer-Kreislauf unterbrechen, bevor aus gereizter Haut offene Wunden werden.

  1. Insekten fernhalten: Pferd sofort in einen abgedunkelten, fliegenarmen Stall oder Unterstand bringen, besonders morgens und abends.
  2. Betroffene Stellen reinigen: Mähnenkamm und Schweifrübe mit lauwarmem Wasser und mildem Shampoo von Schweiß, Kot und Reizstoffen befreien.
  3. Juckreiz gezielt lindern: ein beruhigendes Pflegespray wie Bense & Eicke Anti-Itch direkt auf die gereizte Haut auftragen.
  4. Wunden abdecken: eine Ekzemerdecke mit Mähnen- und Schweifschutz sofort anlegen, damit dein Pferd nicht weiter an Zaun oder Baum scheuert.
  5. Offene Stellen pflegen: nässende oder haarlose Bereiche mit einem hautregenerierenden Produkt wie Leovet Propolis-Gel behandeln.
  6. Verlauf beobachten: bei Fieber, großflächigen Wunden oder Anzeichen einer Infektion zeitnah den Tierarzt einschalten.

Häufiger Fehler: Ein Pferd im akuten Schub weiterhin ungeschützt auf einer ufernahen Weide zu lassen, verlängert den Juckreiz-Kreislauf nur, weil dort morgens und abends die meisten Kriebelmücken unterwegs sind.

Wenn der akute Schub abklingt, kommt es vor allem darauf an, dass du beim Insektenschutz dranbleibst. Sonst fängt das Scheuern oft schon nach ein paar Tagen wieder von vorne an.

Ekzemerdecke, Spray oder Öl: Welche Pflege wirkt wirklich?

Am besten wirkt es, wenn du drei Dinge kombinierst: ein Repellent gegen den Stich, eine Decke als Barriere und einen Tagesrhythmus, der die Hauptflugzeiten der Mücken umgeht. Sogar das Muster spielt eine Rolle: Ein Streifenmuster auf der Decke sorgt tatsächlich dafür, dass Bremsen seltener erfolgreich landen, ein Effekt, den mittlerweile auch manche Ekzemerdecken mit gemustertem Gewebe nutzen.

Neben Decke und Pflegeprodukten gehört ein Repellent mit Wirkstoffen wie Permethrin oder Icaridin zur Grundausstattung: aufgetragen an Mähnenkamm, Schweifrübe und Bauchnaht, hält es Gnitzen und Kriebelmücken ab, bevor sie überhaupt stechen können.

Gut zu wissen: Repellentien mit Permethrin oder Icaridin sind als Biozide zugelassen. Sie wirken vorbeugend gegen den Stich selbst, während Decke und Pflege für die bereits gereizte Haut zuständig bleiben.

Produkt Einsatzzweck Was es bringt
Imperial Riding Ekzemerdecke Mechanischer Rundumschutz auf der Weide Dichtes Gewebe hält Gnitzen von Mähne, Schweif und Bauch fern
Bense & Eicke Anti-Itch Akute Juckreizlinderung Beruhigt gereizte Haut direkt nach dem Scheuern, schnell einsetzbar
Leovet Propolis-Gel Pflege offener, wunder Stellen Wirkstoffe aus dem Bienenstock unterstützen die Wundheilung am Mähnenkamm
Leovet Mähnenliquid Pflege bei Schuppen und Scheuerstellen Bioschwefelfluid und Harnstoff lindern Juckreiz und halten Mähne und Schweif schuppenfrei
ATCOM Zink Comp. Fütterungsergänzung über die Saison Liefert Zink und Spurenelemente für eine stabile Hautbarriere
ESS Omega Oil Fütterungsergänzung mit Omega-3 Unterstützt Hautgesundheit und Fellqualität von innen

Anti-Itch und Propolis-Gel ergänzen sich dabei in der Praxis: Anti-Itch beruhigt akuten Juckreiz sofort, während Propolis-Gel die Wundheilung unterstützt, wenn durch das Scheuern schon offene Stellen entstanden sind. Mähnenliquid übernimmt die Pflege dazwischen: Es hält Mähnenkamm und Schweifansatz schuppenfrei und mindert so die Scheuerneigung, bevor es überhaupt zu offenen Stellen kommt. Bei Pferden mit chronischem Sommerekzem lohnt es sich, alle drei griffbereit im Stall zu haben, ergänzt durch die Ekzemerdecke als tägliche Basis auf der Weide.

Wie du generell die passende Decke für dein Pferd findest, also Material, Sitz und Schnittform, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber zur richtigen Pferdedecke. Die Grundregeln zum Sitz gelten für Ekzemerdecken genauso.

Welche Fütterung hilft der Haut bei Sommerekzem von innen?

Zink, Biotin, Kupfer und Selen gelten als die wichtigsten Nährstoffe für Haut, Fell und Wundheilung bei Sommerekzem. Ergänzend unterstützen B-Vitamine und Omega-3-Fettsäuren die Hautgesundheit, während mageres Heu und getreidefreies Futter die Symptome zusätzlich mildern können.

Zink unterstützt dabei die Hautbarriere und die Wundheilung an den ohnehin strapazierten Stellen am Mähnenkamm und an der Schweifrübe, während Omega-3-Fettsäuren die Haut geschmeidiger und weniger reizanfällig machen. Genau hier setzen Ergänzungsfuttermittel wie ATCOM Zink Comp. oder ESS Omega Oil an: Sie liefern über die gesamte Weidesaison hinweg die Nährstoffe, die die Haut von innen stabil halten.

Wie du die Fütterung insgesamt an heiße Sommermonate anpasst, über die reine Hautpflege hinaus, haben wir in unserem Ratgeber zur Sommerfütterung für Sportpferde zusammengefasst.

Wann muss der Tierarzt bei Sommerekzem ran, und was kostet die Behandlung?

Bei starkem Juckreiz-Schub, großflächigen offenen Wunden oder Anzeichen einer Infektion solltest du den Tierarzt dazuholen. Er kann lokale oder systemische Kortikosteroide oder Antihistaminika verordnen, wenn Insektenschutz und Hautpflege allein nicht mehr ausreichen, setzt Kortison wegen möglicher Nebenwirkungen wie einem erhöhten Hufrehe-Risiko aber nur gezielt und zeitlich begrenzt ein.

Bei den Kosten lohnt sich realistische Planung: Schätzungen sprechen von jährlichen Behandlungskosten zwischen 500 und 1.500 Euro, je nach Schweregrad und Therapie. Die Zahl basiert auf älteren Daten von vor der Gebührenordnungs-Novelle 2022 und dürfte inzwischen eher am oberen Rand liegen. Beim Pferdekauf ist Sommerekzem sogar wirtschaftlich relevant: Einem vielzitierten Urteil des Landgerichts Flensburg zufolge kann die Erkrankung den Gebrauchswert eines Pferdes um 50 bis 100 Prozent mindern.

An der Weser bringt Dranbleiben mehr als jedes einzelne Produkt

Steht dein Pferd an der Weser oder einem anderen größeren Fluss, hast du es in der Kriebelmücken-Saison einfach schwerer als Ställe weit weg vom Wasser, weil sich die Insekten dort in viel größerer Zahl entwickeln können. Insektenschutz und ein fester Tagesrhythmus gehören hier deshalb von Anfang an zur Grundausstattung.

Schau dir deshalb deine Weide genau an, bevor der nächste Schub kommt: Steht sie ufernah, direkt an einem Bach oder Fluss? Dann verschiebe die Weidezeiten in die Mittagsstunden und rüste frühzeitig mit Decke, Repellent und passender Hautpflege aus, am besten schon vor den ersten kahlen Stellen.

Wenn du unsicher bist, welche Kombination für dein Pferd passt, sprich uns einfach an: In unserem Hofladen in Vlotho beraten wir dich zu Ekzemerdecken, Pflegeprodukten und der passenden Fütterung, und im Umkreis von rund 20 bis 25 Kilometern, von Bad Oeynhausen bis Herford, liefern wir dir alles direkt nach Hause oder in den Stall.

Häufige Fragen zum Sommerekzem beim Pferd

Kann ein Sommerekzem beim Pferd wieder komplett verschwinden?

Nein, eine ursächliche Heilung gibt es bislang nicht, weil die Allergie selbst nicht verschwindet. Mit konsequentem Insektenschutz, angepasster Pflege und Fütterung lässt sich der Juckreiz aber meist so gut kontrollieren, dass betroffene Pferde beschwerdearm durch den Sommer kommen und die Haut zwischen den Insektensaisons abheilen kann.

Warum sind gerade Islandpferde so oft vom Sommerekzem betroffen?

Islandpferde, die direkt aus Island importiert wurden, erkranken deutlich häufiger als kontinental geborene Tiere, weil sie auf Island nie Kontakt zu Culicoides-Gnitzen hatten und deshalb keine Toleranz entwickeln konnten. Bei importierten Tieren zeigen sich die ersten Symptome oft schon im ersten Jahr nach der Ankunft.

Wie viel kostet die Behandlung von Sommerekzem etwa pro Jahr?

Zwischen rund 500 und 1.500 Euro pro Jahr, je nach Schweregrad und gewählter Therapie, von der Ekzemerdecke bis zur tierärztlichen Behandlung. Weil diese Zahl auf älteren Daten beruht, dürften die tatsächlichen Kosten seit der Gebührenordnungs-Novelle 2022 tendenziell höher liegen.

Ist ein Allergietest beim Tierarzt sinnvoll?

Ein funktioneller Allergietest kostet je nach Umfang etwa 200 bis 300 Euro, gilt aber wegen begrenzter Sensitivität und Spezifität nicht als zuverlässiger Standardtest. In der Praxis stützt sich die Diagnose meist auf das typische Verteilungsmuster der Symptome an Mähnenkamm und Schweifrübe, ergänzt durch den zeitlichen Verlauf über die Insektensaison.

Wirkt Kortison zuverlässig gegen den Juckreiz?

Ja, gegen den Juckreiz wirkt Kortison verlässlich. Der Haken sind die Nebenwirkungen: ein geschwächtes Immunsystem und ein höheres Hufrehe-Risiko, deshalb setzen Tierärzte es nur bei starken Schüben und möglichst kurz ein. Bei milderen Verläufen greifen sie oft zunächst zu Antihistaminika, die schwächer, dafür aber nebenwirkungsärmer wirken.


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